Im Kreuz alle Tugenden betrachten:   Der hl. Thomas von Aquin sagt, dass wir im gekreuzigten Jesus alle Tugenden sehen können, die wir nachahmen sollen. Am Kreuz zeigt Jesus den grössten Gehorsam zu seinem Vater und die grösste Nächstenliebe für alle Menschen. Wenn du die Barmherzigkeit, den Gehorsam, die Demut, die Armut, die Selbstbeherrschung, die Geduld und das Wohlwollen suchst, kannst du dies alles im Gekreuzigten finden. Wenn ihr eine Tugend sucht, dann ahmt den gekreuzigten Christus nach.  
Don Pierino Galeone

  Hl. Thomas von Aquin: Wer in Vollkommenheit leben will, sollte nichts anderes tun, als das zu verachten, was Christus am Kreuz verachtet hat, und das zu begehren, was er begehrte. Denn am Kreuz fehlt kein Beispiel der Tugend. Wenn du nach einem Beispiel der Nächstenliebe suchst, denke daran: «Grössere Liebe hat niemand als wer sein Leben für seine Freunde hingibt» (Joh 15, 13). Das ist es, was Christus am Kreuz getan hat. Wenn er sein Leben für uns hingegeben hat, sollte es für uns keine Last sein, jegliches Übel ihm zuliebe zu ertragen. Wenn du nach einem Beispiel der Geduld suchst, findest du ein ganz hervorragendes am Kreuz. Denn die Geduld wird unter zwei Umständen als gross beurteilt: entweder wenn man geduldig grosse Widrigkeiten erträgt, oder wenn man Widrigkeiten erträgt, die vermieden werden könnten, aber nicht vermieden werden. Nun gab uns Christus am Kreuz das Beispiel sowohl für das eine wie auch für das andere. Denn «als er litt, drohte er nicht» (1 Petr 2,23), und wie ein Lamm wurde er zum Tod geführt und tat seinen Mund nicht auf (vgl. Apg 8,32). Die Geduld Christi am Kreuz ist daher gross: «Lasst uns mit Ausdauer laufen und unsere Augen auf Jesus richten, den Urheber und Vollender des Glaubens. Um der Freude willen, die ihm bereitet wurde, hat er das Kreuz ertragen und die Schmach verachtet» (Hebr 12,2). Wenn du ein Beispiel der Demut suchst, schaue dir den Gekreuzigten an: Gott wollte unter Pontius Pilatus verurteilt werden und sterben. Wenn du ein Beispiel des Gehorsams suchst, folge dem, der dem Vater gehorsam wurde, sogar bis zum Tod: «Wie durch den Ungehorsam des einen, nämlich Adams, alle zu Sündern gemacht wurden, so sollen auch durch den Gehorsam des einen alle gerecht gemacht werden» (Röm. 5,19). Wenn du nach einem Beispiel für die Verachtung irdischer Dinge suchst, dann folge ihm, der der König der Könige und Herr der Herren ist, «in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind» (Kol 2,3). Er ist nackt am Kreuz, verspottet, bespuckt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Essig und Galle getränkt. Darum binde dein Herz nicht an Kleidung und Reichtum, denn «sie teilten meine Kleider unter sich auf» (Joh 19,24); nicht an Ehren, denn ich habe Schmähungen und Schläge erfahren (vgl. Jes 53,4); nicht an Würden, denn sie setzten mir eine Dornenkrone aufs Haupt (vgl. Mk 15,17); nicht an Genüsse, denn «als ich durstig war, gaben sie mir Essig zu trinken» (Ps 68,22). (6. Vorlesung: über das «Credo in Deum)

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