Die wesentliche Offenbarung des Evangeliums ist die alles beherrschende und durchdringende Gegenwart Gottes. Es ist ein Aufruf, Gott zu begegnen – Gott aber begegnet man nur in der Einsamkeit. Denen, die unter Menschen leben, scheint diese Einsamkeit verwehrt zu sein. Das hieße aber zu glauben, dass wir Gott in die Einsamkeit vorausgehen. Doch er ist es, der dort auf uns wartet; ihn zu finden bedeutet, sie zu finden, denn wahre Einsamkeit ist Geist, und all unsere menschliche Einsamkeit ist nur ein relativer Weg zur vollkommenen Einsamkeit, die im Glauben liegt.
Wahre Einsamkeit ist nicht die Abwesenheit von Menschen, sondern die Gegenwart Gottes. Sein Leben vor Gottes Angesicht zu bringen, sein Leben Gott zu überlassen, das bedeutet, sich in Gefilde zu begeben, in denen wir einsam sind. Die Höhe ist es, die die Einsamkeit der Berge ausmacht, nicht die Basislager im Tal. Wenn die Gegenwart Gottes in uns durch Stille und Einsamkeit zum Vorschein kommt, macht sie uns ruhig und verbindet uns radikal mit allen Menschen, die aus dem gleichen Lehm gebildet sind wie wir.
„Selig sind, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11,28). Es gibt keine Einsamkeit ohne Stille. Manchmal bedeutet Stille zu schweigen, immer jedoch bedeutet Stille zuzuhören. Eine bloße Abwesenheit von Lärm, ohne Aufmerksamkeit für das Wort Gottes, ist keine Stille mehr. Ein Tag voller Lärm und Stimmen kann ein Tag der Stille sein, wenn der Lärm für uns zum Echo der Gegenwart Gottes wird.
Mittwoch, 7. Januar : Ehrwürdige Dienerin Gottes Madeleine Delbrêl
Written on 01/09/2026
