Dienstag, 12. Mai : Hl. Katharina von Siena

Written on 05/11/2026

Habt Mut, meine Brüder, lassen wir uns weder von begangenen Sünden, noch von irgendeiner Illusion, noch von einer Versuchung des Teufels unterkriegen! Wenn der Weg auch rau und steinig ist, so hat uns doch Christus, unser Arzt, ein Heilmittel gegen all unsere Schwäche gegeben, eine Taufe in Blut und Feuer, in der alle Sünden von der Seele abgewaschen werden, alle Versuchungen und Illusionen des Teufels vertilgt und zerstört werden. […] Solange der Mensch im vergänglichen Gefängnis seines Leibes steckt, erfährt er ein verkehrtes Gesetz, das ihn stets zur Sünde einlädt und drängt. Die sanfte Güte Gottes hat ihm ein fortwährendes Heilmittel gegeben, das seine Vernunft und seine Freiheit stärkt. Dieses fortwährende Heilmittel ist das Feuer des Heiligen Geistes, das niemals erlischt und unaufhörlich seine Gnade und seine Wohltaten ausgießt, sodass wir uns jeden Tag dieser Taufe unterziehen können, die uns aus Gnade und nicht aus Verdienst geschenkt wird. Wenn also die Seele in sich diesen Schatz und dieses Feuer des Heiligen Geistes wahrnimmt, wird sie so sehr trunken von der Liebe zu ihrem Schöpfer, dass sie sich selbst völlig verleugnet. […] Sie sieht und betrachtet nur noch ihr eigenes Nichts und demgegenüber die Güte Gottes. Sie erkennt, dass diese unendliche Güte nichts anderes will als ihr Heil, und so wird ihre Liebe zu Gott vollkommen. Sie hat keine anderen Gedanken, keine andere Neigung mehr, und sie kann den Drang ihres Verlangens nicht zurückhalten. Vielmehr läuft sie ohne Last und ohne Fesseln, denn sie hat sich von allen Hindernissen befreit, die sie hätten aufhalten können.